| Das Gautschen |
| Drucker haben einen besonderen Stolz
auf die Jahrhunderte alte und bedeutungsvolle Kunst ihres
Schaffens. Sie mussten früher über einen
besonderen Grad an Bildung und Wissen verfügen und
hatten schon immer einen sehr engen Kontakt mit der
Geisteswelt, mit Akademikern und Studenten. So kam es, dass
mancherlei Zunftbräuche der Drucker mit Gebräuchen
zusammenhängen, die sie den Studenten abgeschaut haben.
Diese Bräuche haben sich bis auf den heutigen Tag
erhalten. Meister und Gesellen nehmen seit Jahrhunderten die
Lehrlinge nach Abschluss der Lehrzeit mit dem Brauch des
Gautschens in ihren Kreis auf. |
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Der Gautschbrief ist in der Gestaltung eng an das
große Vorbild der 42-zeiligen Bibel von Altmeister
Gutenberg angelehnt. Er zeigt die dort verwendeten Textur- und
Unizialeschriften und die kräftigen Farben. Vordrucke
erhältlich beim: Verlag Schumacher, Schäferstraße 10, 78315
Radolfzell, Telefon (07732) 971210, Telefax (07732) 971211, info@setzerei-schumacher.de, www.gautschbrief.de |
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| Der Gautschakt |
| Für dieses Ereignis wird in den
Druckereien ein Gautschmeister ernannt. Er zieht einige
Gesellen ins Vertrauen, lässt einen Bottich mit Wasser
füllen und im Hof aufstellen. Auf das Kommando des
Gautschmeisters packen vier Gesellen den Gäutschling,
tragen ihn unter Begleitung aller Kollegen in den Hof und
setzen ihn in den Bottich. Innerhalb weniger Minuten ist der
Spuk vorbei. Die Arbeit geht wieder weiter, als ob nichts
geschehen wäre. Nur der Gäutschling muss noch die
Kleider wechseln. In den darauf folgenden Tagen wird das
Gautschfest gemeinschaftlich von den Gäutschlingen und
Kollegen vorbereitet. Essen, Trinken und fröhliche
Lieder umrahmen die feierliche Zeremonie der Übergabe
des Gautschbriefes. Er bewahrt den Gesellen davor, noch mal
ins Wasser geworfen zu werden. Bei jeder Gautschfeier
müssen die Altgesellen selbstverständlich ihren
Gautschbrief vorzeigen, sonst wird die Taufe wiederholt.
Nach altem Brauch und Sitte werden zur Festlichkeit nur die
gegautschten zünftigen Kollegen eingeladen, zumal der
oder die Gäutschlinge das Fest allein zu bezahlen
haben. Oft kommt auch der Chef mit einem angemessenen Betrag
zu Hilfe. Freibier wird immer gern getrunken, das garantiert
einen fröhlichen Festabend. |
| Wer darf gegautscht werden? |
| Sind Mediengestalter würdig
für die Taufe, dürfen Buchbinder gegautscht
werden? Die Frage, wer würdig ist, wird nicht erst seit
Bestehen des Ausbildungsberufes Mediengestalter diskutiert.
Ursprünglich wurden nur Buchdrucker gegautscht, wobei
der Beruf zwei Berufe in sich vereinigte, den Schriftsetzer
und den Drucker. Nach dem daraus zwei Berufe entstanden
sind, konnten auch die Schriftsetzer die Wassertaufe
adposteriorum erhalten. Alle Vorstufenberufe sind heute im
Mediengestalter für Digital- und
Printmedien aufgegangen, weshalb es sicherlich
gerechtfertigt ist, dass diese auch einen Gautschbrief
erhalten. Buchbinder haben seit eh und je stolz
daraufhingewiesen, dass das Gautschen sich eigentlich aus
dem Papiermachen ableitet und sie insofern die älteren
Rechte bezüglich des Gautschbrauchtums hätten.
Letztlich kommt es darauf an, was man in der Wassertaufe
verspricht. Man soll den Unfug, die Fehlerhaftigkeit, die
Murkserei und Hudelei der Lehrzeit beseitigen. Fehler und
Makulatur soll es nach dem Gautschfest nicht mehr geben. |
| Gott grüß die Kunst! |